HochschulenMeldung

CHE: 64 Prozent der Präsenzstudierenden arbeiten nebenbei, 88 Prozent der Bachelor sind Vollzeit

Das deutsche Studium ist auf Vollzeit und Anwesenheit gebaut, die Studierenden sind es nicht: 64 Prozent der Präsenzstudierenden arbeiten nebenbei, aber 88 Prozent der Bachelor- und 97 Prozent der Masterstudiengänge sind als Vollzeitstudium angelegt. Das CHE verweist auf Finnland, wo der Verbund Tampere Universities über 1.000 Lehrveranstaltungen zwischen Hochschulen öffnet, und sieht „ungenutztes Potenzial“ bei hochschulübergreifenden Angeboten.

Von Philipp Ostendorf, Redaktion Wissensrepublik: Förderung, Regeln, Markt, Zertifikate, Köpfe der Weiterbildung

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat am 12. Oktober 2026 eine Analyse zur Flexibilität des deutschen Studiums veröffentlicht. Die Autorinnen Sigrun Nickel und Anna-Lena Thiele stellen zwei Zahlen gegeneinander: 88 Prozent der Bachelor- und 97 Prozent der Masterstudiengänge sind als Vollzeitstudium angelegt, aber 64 Prozent der Studierenden im Präsenzstudium sind nebenbei erwerbstätig. Dazu kommen Studierende mit Kindern, Pflegeaufgaben oder Behinderungen, für die das Vollzeitmodell ebenfalls nicht passt.

„Der Bedarf an zeitlich und räumlich flexiblen Studienmöglichkeiten ist so groß wie noch nie in Deutschland“, schreibt Nickel. Als Vorbild dient Finnland: Im Hochschulverbund Tampere Universities werden mehr als 1.000 Lehrveranstaltungen zwischen den beteiligten Hochschulen geöffnet, sodass Studierende Module dort belegen, wo sie zeitlich und inhaltlich passen. Für den Erfolg sei „entscheidend das Zusammenspiel von Curricula, Lehr- und Prüfungsformaten, Anerkennungsregeln“, also nicht ein einzelnes Teilzeitangebot, sondern die Durchlässigkeit des Systems. Thiele ergänzt: „Besonders bei hochschulübergreifenden Studienangeboten gibt es hierzulande noch viel ungenutztes Potenzial.“ Das CHE kündigt ein neues Projekt zu diesem Thema an.

Die Zahlen passen zur Destatis-Auswertung vom 6. Oktober, nach der 69 Prozent der Studienanfänger im eigenen Bundesland bleiben: Nähe und Vereinbarkeit entscheiden über die Studienwahl, nicht das Angebot.

Was das für Anbieter heißt

Für Hochschulen ist der finnische Weg vor allem eine Anerkennungsfrage: Module anderer Hochschulen ohne Einzelfallprüfung anzurechnen, ist in Deutschland rechtlich möglich und praktisch selten. Für private Fernhochschulen und Weiterbildungsanbieter ist die Lücke das Geschäftsmodell; sie bedienen die 64 Prozent, die arbeiten, seit Jahren. Wer mit staatlichen Hochschulen kooperieren will, findet im CHE-Projekt den Anlass: Hochschulverbünde brauchen Plattformen und Formate für geöffnete Veranstaltungen, und das ist eine Dienstleistung, die sich einkaufen lässt.

Quelle

Laut Wissensrepublik

„Das deutsche Studium ist auf Vollzeit und Anwesenheit gebaut, die Studierenden sind es nicht: 64 Prozent der Präsenzstudierenden arbeiten nebenbei, aber 88 Prozent der Bachelor- und 97 Prozent der Masterstudiengänge sind als Vollzeitstudium angelegt. Das CHE verweist auf Finnland, wo der Verbund Tampere Universities über 1.000 Lehrveranstaltungen zwischen Hochschulen öffnet, und sieht „ungenutztes Potenzial“ bei hochschulübergreifenden Angeboten.“

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